Kreuzwegandachten 2021

Station: Jesus wird an das Kreuz genagelt

(Antje Süß)

1. Beginn
Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes            

2. Meditation zu 5. Mose 4/ 9

                   Hüte sehr deine Seele, dass du nicht vergisst die Ereignisse,
                   die deine Augen gesehen haben.
                   Lass deine Kinder und Kindeskinder sie wissen.
                   Meine Seele, mein Herz, mein Verstand nähern sich den Schmerzen
                   der anderen, wollen sie im Herzen halten, das zerspringt.
                   Wir können ohne Gottes Hilfe die Erinnerungen an die Kreuzwege
                   nicht aushalten.
                   Zwischen Schreien, stumm Sein und still Werden,
                   befreie uns zum TUN, diesen Tag und alle Tage. 

3. Vorstellung des Bildes

Jesus, der Verurteile, der als König der Juden verspottete, der Kleingemachte - am Kreuz.

Die Proportionen verschoben. ER – JESUS – groß. Die Vier, die mit seiner Kreuzigung beschäftigt sind – klein. Nur über eine Leiter können die zwei den Querbalken ersteigen. Auf ihm sitzend, schwingen sie ihre Hämmer und nageln JESU Hände ans Kreuz. Auch der zu seinen Füßen kann nur unter körperlichen Anstrengungen seine Arbeit an den Füßen JESU vollenden. Was ist mit dem Vierten? Er reicht IHM am langen Stab den mit Essig getränkten Schwamm. Sein Hilfsmittel ist lang und fast scheint es, als wolle er vor JESUS niederknien.

4. Lesung des Bibeltextes: Markus 15, 24-27

24Und sie kreuzigten ihn. Und sie teilten seine Kleider und warfen das Los darum, wer was bekommen sollte. 25Und es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten. 26Und es stand geschrieben, welche Schuld man ihm gab, nämlich: Der König der Juden. 27Und sie kreuzigten mit ihm zwei Räuber, einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken.

 

5. Texte & Auslegung
Sie waren es. Sie haben ihn gekreuzigt. Sie haben seine Kleidung durch Loswurf untereinander aufgeteilt. Sie haben ihn beschuldigt. Sie haben ihn verspottet. Sie haben sein Kreuz ganz bewusst zwischen denen der beiden Räuber platziert. Sie sind es gewesen.
Und wenn es doch „Sie“ gewesen sind, warum schmerzen meine Hände beim Blick auf die kraftvoll ausgeführten Schläge? Warum spüre ich den Druck und die Angst vor dem nächsten Schmerz an meinem Fuß? Warum brennt mir der Essig auf Lippen und Zunge?
Weil ER groß ist. Weil ER es erträgt. Weil ER mich und meine Unzulänglichkeit, meine Unzuverlässigkeit, meine Unzufriedenheit, meinen Kleinglauben, mein Leugnen vergibt.
ER nimmt auf sich, woran ich schuldig geworden bin. ER wirft mir nichts vor. ER lässt über sich ergehen. ER zeigt mir damit seine Größe. Keine Überlegenheit, keine Überheblichkeit, kein mit dem Finger auf mich zeigen.
Seine Größe ist die Liebe. Die Liebe des Vaters, die IHN durch dieses Martyrium trägt. Diese Liebe gilt bedingungslos. Auch ihm, der ihm gerade den Essigschwamm reicht. Erkennt er diese Liebe? Begreift er deren Bedeutung für sich und sein Leben? Drängt es ihn darum auf die Knie? Wer weiß.
Mich drängt sie dankbar auf die Knie, die Erkenntnis dieser unfassbaren Liebe Gottes zu mir.

6. Gebet

Guter Gott, die Stimmung ist gereizt,
ganz schnell geht es, dass sie sich dreht.
Hilf uns, unseren eigenen Standpunkt zu finden,
nicht blind den lautesten Schreiern hinterher zu rennen.
Du hast uns einen Kopf zum Denken gegeben,
um Recht und Unrecht zu unterscheiden

Mach uns bereit und wachsam, für Dich einzutreten,
in Jesu Nachfolge Gutes zu tun,
auch dann, wenn wir gerade nicht damit rechnen.

Lebendiger Gott, wir treten vor dich in Gedenken an die Toten,
an Jesus Christus und all die Menschen, die unermessliches Leid erfahren haben.
Wir wollen laut aufschreien. Es verschlägt uns die Sprache.

Barmherziger Gott, wir brauchen dich, um uns erinnern zu können
und um klagen zu können, denn wir können es nicht allein.
Wir bitten dich, sei heute bei uns, und hilf uns dabei.

7. Liedruf   „Leises Ahnen von dem Glanz, der diese Welt umschließt.“

8. Segensbitte     

Gott segne dich auf deinem Weg.
Gott behüte dich und deinen Glauben.
Gott lasse den Glanz seiner Liebe leuchten:
In dir, für dich und durch ihn.  Amen    
                       

9. Einladung                 

Gehen wir, geben wir eine Antwort durch unser Leben
und bringen den Frieden.
Tragt diesen Segen weiter! Tragt das Kreuz weiter!
Dank sei Gott dem Herrn.