Kreuzwegandachten 2021

Station: Jesus stirbt am Kreuz

(von Ray Kropp)

1. Beginn
Liebe Geschwister,

ich möchte Euch auch in diesem Jahr herzlich zum Ökumenischen Kreuzweg der Jugend, heute am Karfreitag, in digitaler Form begrüßen. Die heutige Ausführung möchte ich im Namen des Gesprächskreises „Junge Erwachsene“ nutzen, um mit Euch inne zu gehen und dem Tod Jesu zu gedenken.

2. Meditation zu 5. Mose 4/ 9

                   Hüte sehr deine Seele, dass du nicht vergisst die Ereignisse,
                   die deine Augen gesehen haben.
                   Lass deine Kinder und Kindeskinder sie wissen.
                   Meine Seele, mein Herz, mein Verstand nähern sich den Schmerzen
                   der anderen, wollen sie im Herzen halten, das zerspringt.
                   Wir können ohne Gottes Hilfe die Erinnerungen an die Kreuzwege
                   nicht aushalten.
                   Zwischen Schreien, stumm Sein und still Werden,
                   befreie uns zum TUN, diesen Tag und alle Tage. 

3. Vorstellung des Bildes
Bei dieser Ikone steht das Kreuz mit Jesus im Mittelpunkt. Unter der Brust Jesu sieht man deutlich die Wunde, die durch den Speerstoß entstand. Der Boden zu Jesu Füßen ist aufgerissen und das Totenreich ist zu sehen, bereit den Sohn Gottes aufzunehmen.
Die Hände von Jesus sind nach oben geöffnet, als wollte er die Liebe seines Vaters empfangen.
Ebenfalls könnten die Hände interpretiert werden als: „Seht alle her - Es ist vollbracht.“
An seiner linken Seite steht Maria, die Mutter von Jesus. Ihr Gesicht zeigt weder Trauer noch Verzweiflung. Sie schaut voller Zuversicht und Stolz. Ihre Hand zeigt auf ihren Sohn. Er hat den Menschen so viel Gutes gebracht und hat sich für uns hingegeben.
Auf der rechten Seite steht Johannes. Er stützt seinen Kopf auf eine seiner Hände. Sein Gesicht drückt Trauer und Verzweiflung aus.

4. Lesung des Bibeltextes aus Markus 15 / 33-39

33Und zur sechsten Stunde kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. 34 Und zu der neunten Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? 35 Und einige, die dabeistanden, als sie das hörten, sprachen sie: Siehe, er ruft den Elia. 36 Da lief einer und füllte einen Schwamm mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr, gab ihm zu trinken und sprach: Halt, lasst uns sehen, ob Elia komme und ihn herabnehme! 37 Aber Jesus schrie laut und verschied. 38 Und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus. 39 Der Hauptmann aber, der dabeistand, ihm gegenüber, und sah, dass er so verschied, sprach: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!

5. Texte und Auslegung
Vor ca. einem Jahr erreichte die erste Welle der Corona-Pandemie in Deutschland ihren Höhepunkt.
Wenige Wochen zuvor warnte ein chinesischer Arzt Namens Li Wenliang aus Wuhan vor dem Virus. Durch die chinesische Regierung wurde dieser der Verbreitung von Falschmeldungen bezichtigt. Die Informationen wurden bewusst durch die Regierung manipuliert und die weitere Verbreitung unterbunden. Dennoch veröffentlichte Li Wenliang weiter Informationen und später seinen eigenen Krankheitsverlauf in den sozialen Medien. Im Februar 2020 wurde bekannt, dass Li Wenliang an den Folgen der Corona- Erkrankung im Alter von 33 Jahren verstarb.
Das wahre Ausmaß dieses Virus und dessen Folgen konnte auch Li Wenliang wahrscheinlich nur annähernd erahnen und dennoch gab er bis zur letzten Minute nicht auf davor zu warnen.

Bei dieser bewegenden Lebensgeschichte muss ich in letzter Zeit immer öfter an Jesus denken.
Wie oft sprach Jesus die Gefahren des Lebens und menschliche Irrtümer an? Jesus warnte vor den Irrwegen, z.B. der Gewalt oder der Gier. Er appellierte an das Vertrauen auf Gott und die Liebe. Seine Gegenspieler jedoch riefen zu Widerstand auf und erzwangen am Ende seinen Tod. Selbst am Kreuz vergab er Dysmas, dem Verbrecher, und nahm ihn mit ins Paradies. Er kämpfte für die Liebe, bis zum Schluss.

Heute am Karfreitag gedenken wir der Kreuzigung Jesu. Jesus starb für uns am Kreuz. Er erlöste uns von unseren Sünden. Wir als Christen vertrauen unserem Herrn, folgen und handeln in seinem Namen. Jeder von uns teilt Ängste, Zweifel oder wird vom Weltlichen verführt. Doch zu jeder Zeit können wir uns an unseren Herrn wenden und um Vergebung bitten.

Lasst uns heute gemeinsam für den Tod von Jesus innehalten. Gleichzeitig sollten wir unser eigenes Tun und Handeln hinterfragen.

Folgen wir Jesus oder folgen wir menschlicher Illusionen?   

Zurückkehrend zum Bild scheint bei Johannes eine gewisse Ohnmacht eingetreten zu sein, die Lebensgrundlage wurde ihm genommen. Doch später wissen wir, dass Johannes zu einem der bedeutendsten Jünger und Verkündiger von Jesus werden sollte. Seine Lebensgrundlage war das Tun und das Handeln von Jesus. Er folgte Jesus bis zum Lebensende.  Amen.

6. Gebet
Lebendiger Gott, wir treten vor dich in Gedenken an die Toten,
an Jesus Christus und all die Menschen, die unermessliches Leid
erfahren haben.
Wir wollen laut aufschreien. Es verschlägt uns die Sprache.
Barmherziger Gott, wir brauchen dich, um uns erinnern zu können
und um klagen zu können, denn wir können es nicht allein.
Wir bitten dich, sei heute bei uns, und hilf uns dabei.
Amen

7. Liedruf   „Leises Ahnen von dem Glanz, der diese Welt umschließt.“

8. Segensbitte     

Gott segne dich auf deinem Weg.
Gott behüte dich und deinen Glauben.
Gott lasse den Glanz seiner Liebe leuchten:
In dir, für dich und durch ihn.  Amen    
                       

9. Einladung                 

Gehen wir, geben wir eine Antwort durch unser Leben
und bringen den Frieden.
Tragt diesen Segen weiter! Tragt das Kreuz weiter!
Dank sei Gott dem Herrn.